100.000 Jahre SEX

Über Liebe, Fruchtbarkeit und Wollust

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Die Ausstellung des Drents Museums, Assen (Niederlande) beschäftigt sich mit der Frage, wie der Mensch in der Vergangenheit auf sehr unterschiedliche Art mit Sex umgegangen ist. Hier wird Kulturgeschichte präsentiert, Gesellschaftsstrukturen und Geschlechterrollen werden kritisch unter die Lupe genommen. Der Rundgang beginnt mit der sexuellen Bildersprache in der Kunst der Altsteinzeit, beschäftigt sich mit der Sexualität der Griechen und Römer, zeigt Objekte aus der Eisenzeit Nordeuropas sowie des 16. und 17. Jahrhunderts Mitteleuropas.

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Die Ausstellung endet mit dem Blick auf die verbotene Kultur mit der Sammlung obszöner Gegenstände in einem geheimen Museum, den ältesten Kondomen und der Peep-Show des 19. Jahrhunderts. 250 Exponate aus 60 europäischen Museen garantieren einen lustvollen und informativen Parcours durch die Geschichte.

Link zur Sonderausstellung
http://www.museen-heilbronn.de/

Mehr Casanova sein

In der modernen partnerschaftlichen Beziehung werden zahlreiche Liebesbeweise eingefordert

"Sie soll mich begehren. Mehr als ich sie begehre. Sie soll mich ausschließlicher und länger lieben, als ich sie liebe." Das klingt wie das unverschämte Geständnis eines Casanovas im intimen Dialog mit seinem Freund. Und doch ist in Wirklichkeit der Wunsch nach unerschütterlichen Beweisen in fast jeder modernen Liebesbeziehung gegenwärtig. Denn kein anderes Gefühl ist mit so großer Hoffnung und so vielen Erwartungen verbunden wie die Liebe. "Es war Liebe" sagen auch heute noch die meisten Verheirateten, wenn man sie fragt, warum sie den Bund fürs Leben eingegangen sind. Aber was heißt es, wenn die Beziehung scheitert? Häufig sind nicht einzelne Gründe schuld, wenn ein Paar sich trennt, sondern nur eines zählt: die Gefühle, die die Partner füreinander empfinden, lassen nach: Die Liebe ist gescheitert. Grund genug also auch für die Wissenschaft, immer wieder genau nachzufragen, was wir meinen, wenn wir von Liebe reden.

Prof. Dr. Ulrich Mees, Psychologe an der Universität Oldenburg, hat Ergebnisse einer empirischen Untersuchung vorgelegt, mit denen er deutliche Eigenschaften der partnerschaftlichen Beziehung benennen kann. Hauptsächlich junge Leute hatte er aufgefordert, Liebe in verschiedenen Phasen ihrer Beziehungen zu beschreiben. Er fand heraus, daß eine große Unsicherheit die Liebenden begleitet. Das zeige sich daran, daß die eigene Liebe ganz anders bewertet wird als die Liebe, die man vom Partner erwartet, erläutert Mees. Der Partner soll z.B. "mehr Vertrauen zu einem haben als man selbst zu ihm hat". Bemerkenswert sind auch die Aussagen, daß der/die Liebste einen "ausschließlicher" und "länger" lieben soll als man selbst. Jedenfalls wird mehr erwartet, als man selbst zu zeigen bereit ist. Das gilt für Frauen wie Männer gleichermaßen. Für die Psychologie zeigt sich hier eine "vorteilhafte Asymmetrie" in der eigenen und der Partnerliebe, aber kann sie sie auch erklären?

Auf den ersten Blick scheint man sich wichtiger zu nehmen als den anderen. Bei tieferer Überlegung kommt heraus, daß es eine große Unsicherheit ist, die spürbar wird. Mees vermutet, daß es die Angst ist, bei einseitiger Liebe emotional verletzt zu werden. Deshalb wollen Frauen und Männer ganz sichergehen, daß der/die andere einen liebt und verlangen immer wieder Beteuerungen und Beweise. So gehen sie der Gefahr aus dem Wege, unerwidert zu lieben. Sicherlich spielt auch die allgemeine Tendenz der Individualisierung eine große Rolle. Da die intimen Sozialbeziehungen immer seltener werden, stellen viele gerade an die "große Liebe" überhöhte Ansprüche. In einer individualistisch geprägten Gesellschaft wird es auch zunehmend schwieriger, für soziale Tugenden wie "selbstlose Liebe" einzustehen. Wer aber möglicherweise in der Paarbeziehung egoistisch denkt und handelt, stellt die Liebe von Anfang an auf harte Bewährungsproben.

Noch etwas hat sich verändert im Vergleich zu früheren Jahren: Die Liebe ist kein so großes Mysterium mehr, wie in alten Mythen behauptet wird. So ist zum Beispiel schon länger wissenschaftlich geklärt, daß Verliebtsein und Liebe sich gewaltig unterscheiden. Sie sind die zwei großen aufeinanderfolgenden Phasen einer Beziehung, und beide weisen nach Mees' Studie ganz bestimmte Gemeinsamkeiten auf, zum Beispiel "Zärtlichkeit" und "Freude übers Zusammensein". So weit, so populär. Aber ob jeder behaupten kann, die Unterschiede beider Phasen zu kennen? Mees gibt diese Antworten: Verliebte empfinden "eine starke körperliche Sehnsucht" nach der geliebten Person. Das sind die berühmten "Schmetterlinge im Bauch", das Herzklopfen und das Kniezittern. Die spätere Liebe wird so nicht mehr beschrieben, heißt es in der Studie. Verliebte sind aber gleichzeitig nicht "offen und ehrlich" zum Partner. Dabei sind Ehrlichkeit und Vertrauen das Wichtigste der Liebe.

Verliebte wollen ganz offensichtlich ihrem Partner die eigenen Schwächen verheimlichen. Und sie wollen keine "Verantwortung für den anderen übernehmen", so die überraschende Antwort der meisten Befragten der Oldenburger Studie. Dafür kenne man sich zuwenig, heißt es. Vertrauen komme erst in einer späteren Phase des Zusammenseins. Im Idealfall gelingt dann auch der Übergang vom Verliebtsein zur Liebe in der Paarbeziehung. Womit die Liebe komplett wäre, denn dann gehören sowohl die intensiven körperlichen Gefühle als auch die enge Verbundenheit zur Beziehungsgeschichte dieses glücklichen Paares.

Wie alle wissen, sind solche Idealfälle selten. Allzu oft scheitern Paare. Die Befragten suchten die Schuld in der Mehrheit beim Partner: Wenn sie merken würden, daß der Partner noch andere Personen liebt, oder wenn man den Eindruck hat, daß man nicht mehr wichtig für ihn ist, lasse die eigene Liebe nach oder höre sogar auf. Bis zum Schluß wird in der modernen Beziehung also nach Zeichen und Bestätigungen gesucht. Alle können ihre/n Liebste/n offensichtlich nur dann lieben, wenn er/sie diese Liebe auch erwidert.

Mees kann dennoch versichern, daß die Liebe insgesamt ein robustes Phänomen ist, wenn sie erst einmal da ist. Die echte Partnerliebe habe nämlich einen fest umrissenen Keim. Damit Liebe wahr wird, achte und schätze Mann die Frau, freue sich an ihr und sei ihr eng verbunden. Und Frau den Mann oder wie es euch gefällt. In der modernen Beziehung wird für Liebe nicht viel Gefühl riskiert, und es wird seltener unglücklich geliebt. Denn mit Goethes Werther wollen wir in Wirklichkeit nicht tauschen. Dann doch lieber Casanova sein.


Quelle & Kontakt
Universität Oldenburg, Prof. Dr. Ulrich Mees

Wer lange liebt, kommt leichter

Neues zum Thema Orgasmus
Lange Lieben - leichter kommen

Da weiß man, was man hat: Mit einem festen Partner haben Frauen leichter einen Orgasmus als mit einem One-Night-Stand, so eine Durex-Studie. Nur 22 Prozent der weiblichen Singles kommen bei einem Abenteuer zum Höhepunkt, dagegen 43 Prozent in einer festen Beziehung. Von allen Männern haben die am häufigsten einen Orgasmus, die mit ihrer Partnerin auch zusammenleben. Bei den Frauen sind es diejenigen mit Partner, aber getrennten Wohnungen. Dieselbe Studie kam auch zu dem Schluss, dass weltweit nur knapp ein Drittel der Frauen beim Sex mit ihm richtig Spaß haben. Dagegen kommen 75 Prozent der Männer regelmäßig auf ihre Kosten. Interessant: Wenn Frauen mit Frauen Liebe machen, ist der Höhepunkt zu 83 Prozent garantiert, so die US-Forscherinnen Marcia und Lisa Douglass.

Quelle
http://www.freundin.de

Humor macht sexy

Am ersten Sonntag im Mai ist Weltlachtag. Lachen macht nicht nur Spaß und gesund, sondern ist auch noch sexy! So das Ergebnis einer Umfrage der Online-Partnervermittlung ElitePartner.de. Demnach finden die meisten Singles Menschen attraktiv, die sie zum Lachen bringen. Am liebsten lachen Singles über doppeldeutige Bemerkungen und schwarzen Humor.
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Humor macht sexy: 96 Prozent der Singles ist der Humor eines potenziellen Partners sehr wichtig. 85 Prozent der Männer und 83 Prozent der Frauen finden es zudem sexy, wenn jemand sie zum Lachen bringt.

Über seine Witze lachen: Wenn Sie das Herz eines Mannes erobern wollen: Lachen Sie über seine Witze! Das kommt bei 70 Prozent der Männer nämlich gut an. Aber auch jede zweite Frau findet es sexy, wenn er über ihre Scherze lacht.

Schwarzer Humor ist beliebt: Am lustigsten finden Singles Doppeldeutigkeiten (61%) und schwarzen Humor (58%). Für jeden Vierten darf es auch mal politisch unkorrekt sein.

Männer mögen's versaut, Blondinenwitze sind out: 22 Prozent der Männer, aber nur neun Prozent der Frauen finden Witze mit sexuellen Anspielungen lustig. Ganz emanzipiert: 22 Prozent der Frauen machen gern Witze über Männer. Aber nur 15 Prozent der Männer lachen über Frauenwitze. Übrigens, Blondinenwitze sollten Sie sich sparen: Nur acht Prozent können über Minderheitenwitze noch lachen.

Links
http://www.elitepartner.de

Quelle
Pressemitteilung

Regelmäßiger Sex und Beziehung

Liebe 2009: Nicht für alle Paare gehört regelmäßiger Sex zur Beziehung Sexualtherapeutin Dr. Ulrike Brandenburg in HEALTHY LIVING: "Über längere Zeit keinen Sex zu haben, ist durchaus normal"

Aktuellen Studien zufolge hat der erwachsene Deutsche zweimal in der Woche Sex. Ein Richtwert, der bei denen, die ihn nicht erreichen, ein schales Gefühl hinterlässt. Doch das Bild relativiert sich schnell, wenn man genauer hinschaut, berichtet das Gesundheitsmagazin HEALTHY LIVING in der aktuellen Ausgabe (02/2009 ab morgen im Handel). Für eine Studie der Uni Göttingen wurden 13.500 Frauen und Männer befragt, wie häufig sie in den letzten vier Wochen Sex mit ihrem Partner hatten: 5,6-mal, so der Mittelwert.

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Nur: Diese Zahl verberge die Wahrheit, dass viele Paare gar keinen oder sehr wenig Sex haben, sagen die Göttinger Forscher. Nur ein Viertel der Paare kommt nämlich auf die oft beschworenen zweimal in der Woche. 17 Prozent geben an, sie wären mit ihrem Partner im vergangenen Monat gar nicht intim gewesen. Auch andere Zahlen bestätigen, dass regelmäßiger und häufiger Sex längst nicht für alle Paare zu einer Beziehung gehört. So belegt eine Leipziger Studie: Zehn Prozent in den Altersgruppen 30, 45 und 60 Jahre hatten in ihrer gegenwärtigen Beziehung im vergangenen Jahr nur ein- bis zehnmal Sex. In einer weiteren Befragung haben die Göttinger Wissenschaftler festgestellt: Die sexuelle Zufriedenheit nimmt in den ersten zehn Jahren einer Partnerschaft kontinuierlich ab und pendelt sich auf niedrigem Niveau ein.

Sexualtherapeutin Dr. Ulrike Brandenburg in HEALTHY LIVING: "In Beziehungen auch über längere Zeit keinen Sex zu haben, ist normal. Dieses Problem haben viele Deutsche - aber keiner spricht darüber." Sexual-Experten raten Betroffenen zu Paartherapien, manchmal geht es jedoch auch einfacher. Dr. Brandenburg: "Treffen Sie eine erotische Verabredung mit Ihrem Partner, die muss nicht gleich schön sein." Man könne sich zum Beispiel vornehmen, sich nur zu streicheln, ohne miteinander zu schlafen. Das kann künstlich wirken oder auch peinlich - aber vielleicht geht doch was!

Quelle
Pressemitteilung

Liebe wissenschaftlich gesehen

Liebe (von mhd. liebe „Gutes, Angenehmes, Wertes“) ist im engeren Sinne die Bezeichnung für die stärkste Zuneigung, die ein Mensch für einen anderen Menschen zu empfinden fähig ist. Analog wird dieser Begriff auch auf das Verhältnis zu Tieren oder Sachen angewendet. Im weiteren Sinne bezeichnet Liebe eine ethische Grundhaltung („Nächstenliebe“), oder die Liebe zu sich selbst („Selbstliebe“).

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Im ersteren Verständnis ist Liebe ein mächtiges Gefühl und mehr noch eine innere Haltung positiver, inniger und tiefer Verbundenheit zu einer Person, die den reinen Zweck oder Nutzwert einer zwischenmenschlichen Beziehung übersteigt und sich in der Regel durch eine tätige Zuwendung zum anderen ausdrückt. Hierbei wird nicht unterschieden, ob es sich um eine tiefe Zuneigung innerhalb eines Familienverbundes („Elternliebe“) handelt, um eine enge Geistesverwandtschaft („Freundesliebe“) oder ein körperliches Begehren („geschlechtliche Liebe“). Auch wenn letzteres eng mit Sexualität verbunden ist, bedingt sich auch in letzterem Falle beides nicht zwingend (zum Beispiel sogenannte „platonische Liebe“).

Begriffliches
Ausgehend von dieser ersten Bedeutung wurde der Begriff in der Umgangssprache und in der Tradition schon immer auch im übertragenen Sinne verwendet und steht dann allgemein für die stärkste Form der Hinwendung zu anderen Lebewesen, Dingen, Tätigkeiten oder Ideen. Diese allgemeine Interpretation versteht Liebe also zugleich als Metapher für den Ausdruck tiefer Wertschätzung. Kulturell und historisch ist „Liebe“ ein schillernder Begriff, der nicht nur in der deutschen Sprache in vielfältigen Kontexten und in den unterschiedlichsten Bedeutungsschattierungen verwendet wird. Das Phänomen wurde in den verschiedenen Epochen, Kulturen und Gesellschaften unterschiedlich aufgefasst und erlebt. Jede Zeit und jeder soziale Verband setzt je eigene Verhaltensregeln für den Umgang mit der Liebe. Daher können die Bedeutungsebenen zwischen der sinnlichen Empfindung, dem Gefühl und der ethischen Grundhaltung „Liebe“ wechseln. Ebenso vielschichtig wie die Bedeutungen der Liebe sind die Bedeutungen der Antonyme. Im Hinblick auf die emotionale Anziehung zwischen Personen ist es der Hass. Im Sinne der Abwesenheit von Liebe kann aber auch die Gleichgültigkeit als Antagonismus angesehen werden. Im christlichen Verständnis gilt auch die Angst – als der Mangel oder die Abwesenheit von Liebe und Geborgenheit – als Gegensatz der Liebe. Fehlentwicklungen der Liebesfähigkeit sind im Sinne des „reinen“ Liebesbegriffes das Besitzdenken (Eifersucht) oder verschiedene Formen der freiwilligen Abhängigkeit bzw. Aufgabe der Autonomie bis hin zur Hörigkeit.

Liebe als intersubjektive Anerkennung
Liebe wird häufig als eine auf Freiheit gegründete Beziehung zwischen zwei Personen gesehen, die ihren Wert nicht im Besitz des adressierten Objekts findet, sondern sich im dialogischen Raum zwischen den Liebenden entfaltet. Die Liebenden erkennen einander in ihrer Existenz wechselseitig an und fördern sich „zueinander strebend“ gegenseitig. Liebe wird teilweise als anarchisches, asoziales und entgrenzendes Gegenmodell zu den Beschränkungen, Anforderungen, Funktionalisierungen und Ökonomisierungen der menschlichen Alltags- und Arbeitswelt aufgefasst. Auch wenn Liebe kein bewusster oder rationaler Entschluss der Liebenden ist, muss sie deswegen nicht als irrational betrachtet werden. Im Sinne des Diskurses der Anerkennung (zum Beispiel John Rawls, Axel Honneth) enthält Liebe nämlich die von Hegel betonte „Idee der wechselseitigen Anerkennung“, was ihr ein moralisches Fundament verleiht. Liebe ist daher für Honneth neben dem Recht und der Solidarität eines der drei „Muster intersubjektiver Anerkennung“. Die moralische Grundierung unterscheidet Liebe daher auch vom reinen Trieb.

Klassifizierungen
Die abendländische Auffassung von Liebe wird von der Dreiteilung Platons geprägt, die in der antiken Philosophie später ausgebaut wurde. Sie basiert auf den folgenden Konzepten: Éros – Bezeichnet die sinnlich-erotische Liebe, das Begehren des geliebten Objekts, der Wunsch nach Geliebt-Werden, die Leidenschaft; Philía – Bezeichnet die Freundesliebe, Liebe auf Gegenseitigkeit, die gegenseitige Anerkennung und das gegenseitige Verstehen; Agapé – Bezeichnet die selbstlose und fördernde Liebe, auch die Nächsten- und „Feindesliebe“, die das Wohl des Anderen im Blic hat. Die genauen Bedeutungen und Schwerpunkte der Begriffe haben sich im Laufe der Zeit verändert, so dass – im Gegensatz zum ursprünglich Gemeinten – unter „platonischer Liebe“ heute ein rein seelisch-geistiges Prinzip ohne körperliche Beteiligung und Besitzwunsch verstanden wird, dem das leiblich-erotische Modell von geschlechtlicher Liebe schroff gegenübergestellt wird. Im Laufe der Zeiten wurden diese Grundformen der Liebe immer wieder differenziert. So bezeichnet man manchmal die Interessenliebe als „stoika“, die spielerisch-sexuelle Liebe als „ludus“, die besitzergreifende Liebe als „mania“ und die auf Vernunftgründen basierende Liebe als „pragma“. Ein besonderes Liebesverhältnis stellt in theistischen Religionen auch jenes zwischen der erbarmenden Liebe Gottes zu den Menschen und der verehrenden Liebe der Menschen zu Gott dar. In Anlehnung an diese Dreiteilung kann man die Ausprägungen des Phänomens der Liebe in Empfindung, Gefühl und Haltung unterscheiden:

Liebesempfindung
Unter Liebesempfindungen versteht man die primär sinnlichen Liebesgefühle, insbesondere die Verliebtheit und die sexuelle Anziehung. Sie stehen in der Regel in Verbindung mit den beiden anderen Formen der Liebe, können aber auch durch die Wahrnehmung eines fremden Körpers, das heißt durch visuelle, olfaktorische oder taktile Reize ausgelöst werden oder ganz einfach durch den empfundenen Mangel an einem geliebten Gegenüber. Die Liebesempfindung steht in enger Verbindung mit der Sexualität, das heißt sexuellen Wünschen, Bedürfnissen und Handlungen (zum Beispiel dem Geschlechtsverkehr, auch bezeichnet als „Liebe machen“).

Liebesgefühle
Unter Liebesgefühlen allgemein versteht man ein komplexes, vielfältiges Spektrum unterschiedlicher Empfindungen und Haltungen gegenüber verschiedenen Arten von möglichen Liebesobjekten, in denen die sinnlich-erotische Komponente nur sekundär von Bedeutung ist. Sie führen zu einer Hinwendung und Zuwendung zum Anderen, dem Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit geschenkt werden. Sympathie, Freundschaft, Sorge und emotionale Liebe sind Erscheinungen, in denen Liebesgefühle eine große Rolle spielen. Ebenso können die kontemplative Liebe (zum Beispiel zur Natur), die aktive sorgende Liebe um den Nächsten (caritas), die religiöse bzw. mystische Liebe und das Mitleid hierzu gerechnet werden.

Liebe als Grundhaltung
Liebe als ethische „Geistes-“ oder Grundhaltung, als Tugend, ist das Paradebeispiel für rational begründete Moralität; eine Fremdliebe, die eine Interessenbalance zwischen Egoismus und Altruismus herstellt. Nächstenliebe wird dabei üblicherweise nicht als altruistische Selbstaufgabe aufgefasst. Bei Immanuel Kant wird die Liebe als Grundhaltung mit den Begriffen Achtung und Würde verknüpft. Daraus ergibt sich eine allgemein-menschliche „Pflicht zur teilnehmenden Empfindung“ mit dem Anderen. In den meisten Religionen ist die Liebe zu Gott und den Menschen der zentrale Begriff, so auch im Christentum (Mk 12,31 EU; Mt 22,39 EU; Röm 13,8-10 EU). Analoges gilt für das Judentum und den Islam. Im Buddhismus stehen Mitgefühl (das heißt allumfassendes Mitleid und Mitfreude) und Weisheit im Bezug auf alle fühlenden Wesen (zum Beispiel auch gegenüber Tieren) im Mittelpunkt.

Art des Liebesobjekts
Selbstliebe: Selbstliebe wird in der Regel als immer vorhanden angesehen; von Einigen auch als die Voraussetzung zur Fähigkeit zum Lieben und zur Nächstenliebe angesehen, wobei nach Auffassung von Erich Fromm Selbstsucht Selbsthass bedeute. Selbstsucht äußere sich in der Liebe durch besitzgieriges Interesse. Fromm behauptet, dass zu starke Selbstlosigkeit keine Tugend sei, sondern ein Symptom, durch das unbeabsichtigter Schaden entstehen könne. Pathologische Selbstliebe („Eigenliebe“) wird als Narzissmus bezeichnet. Partnerliebe: Die geschlechtliche Liebe kann in gegengeschlechtliche (Heterosexualität) und gleichgeschlechtliche Liebe (Homosexualität) unterschieden werden, und findet oft in Liebesbeziehungen Ausdruck, für die in heutigen europäischen Kulturen das Ideal der Partnerschaft, vermischt mit dem ehemals höfischen Ideal der romantischen Liebe, betont wird. Eine besondere Rolle nimmt in vielen Gesellschaften die eheliche Liebe ein, die oftmals Exklusivität für sich in Anspruch nimmt (siehe Monogamie). Nicht auf exklusiven Zweierbeziehungen beruhende Liebesmodelle (Polygamie) spielen in außereuropäischen Kulturen und in den letzten Jahrzehnten auch im Westen („Polyamory“) eine größere Rolle. Familiäre Liebe: Neben der partnerschaftlichen Liebe sind insbesondere die Liebe zwischen (engen) Verwandten (Vaterliebe, Mutterliebe, Kindesliebe) und die Freundesliebe in menschlichen Gemeinschaften von größter Bedeutung. Nächstenliebe: Die Nächstenliebe gilt im Sinne von Religion und Ethik primär den Bedürftigen, während die Philanthropie sie zur allgemeinen Menschenliebe ausdehnt (vgl. Menschlichkeit). Die Feindesliebe ist eine im Neuen Testament auf Feinde bezogene Nächstenliebe, die oft als christliche Besonderheit gilt, aber in abgeschwächter Form auch in anderen Religionen vorkommt. Noch weiter geht das Konzept der „Fernstenliebe“. Objekt- und Ideenliebe: Insbesondere in jüngerer Zeit ins Zentrum gesellschaftlicher Begriffe gerückt sind auch „Tierliebe“ oder die „Liebe zur Natur“. In der weitesten sprachlichen Auslegung „liebt“ man seine Hobbys oder Leidenschaften und kann diese dann auch als Liebhaberei oder Vorlieben bezeichnen. Auch Ideale können demnach geliebt werden, etwa durch den Begriff „Freiheitsliebe“ dargestellt, aber auch Zugehörigkeiten wie Vaterlandsliebe (Patriotismus). Diese Vorlieben können bis hin zu Fanatismus gehen, der Begriff Fan wird aber heutzutage auch für nichtfanatische Formen der Bewunderung, Verehrung bzw. Anhängerschaft verwendet. Gottesliebe: Eine besondere Rolle nimmt die Gottesliebe ein, in ihrer allgemeinen Form die in verschiedenen (keinesfalls allen) Religionen vorausgesetzte Liebe Gottes zu seiner Schöpfung und insbesondere dem Menschen. Der gleiche Begriff bezeichnet auch die Liebe zu einem Gott. „Objektlose Liebe“: Liebe als Grundhaltung benötigt für christliche Mystiker wie Meister Eckhart kein Objekt. Liebe wird hier als bedingungsloses öffnen verstanden. Der Philosoph und Metaphysiker Jean Emile Charon bezeichnet diese „universale“ Liebe gar als „Finalität der Evolution“ und „Selbsttranszendenz des Universums“.

Ausdrucksformen
Liebe, insbesondere Verliebtheit („Verliebtsein“) kann sich nonverbal, etwa durch Blicke, Mimik, Unruhe oder Körperhaltung ausdrücken. Beruht die Liebe auf Gegenseitigkeit, drückt der Mensch sie durch Zärtlichkeiten, insbesondere Küssen und Berührungen aus. Die körperliche Vereinigung (Sex) kann dabei als intimste Ausdrucksform der Liebe dienen. Verbale Ausdrucksformen sind in erster Linie Bezeichnungen der oder des Geliebten, meistens in Form von Komplimenten und Koseworten bzw. Kosenamen wie „Liebling“ oder „Schatz“. Besondere, konventionelle Formen sind die „Liebeserklärung“ oder der „Liebesbrief“, die auch in der Literatur eine besondere Würdigung erfahren haben. Auch Rituale wie die Verlobung oder Symbole wie der Freundschaftsring gehören hierzu. Das Ideal einer „Liebe als Verehrung“ unter Ausschluss einer konkreten körperlichen Beziehung gehört eher in die (Literatur-)Geschichte und fand dort eine besondere Form in der sogenannten „hohen minne“, ein Begriff, den Walther von der Vogelweide als Gegenbegriff zur „nideren minne“, also der körperlich erfüllten Minne, verwendet. In dieser poetischen Form der Liebe bleibt die „frouwe“ unerreichbar.

Mythologie und Theologie
In ausgebildeten polytheistischen Religionen, die sich von einer Umwandlung vieler Lokalgottheiten zu einem ‚arbeitsteiligen‘ Pantheon fortentwickelt hatten, wurden oft besondere (meist weibliche) Gottheiten der Liebe verehrt. So gab es im antiken Griechenland die Göttin Aphrodite und ihren Sohn Eros, bei den Römern die Göttin Venus und ihren Sohn Amor. Die monotheistischen Religionen haben ausgehend von der Gottesliebe ausgefeilte Theologien der Liebe entwickelt. Die Allliebe Gottes ist eine seiner Eigenschaften; da er aber auch Zorn oder Eifersucht zu seinen Eigenschaften zählt, hat die Theologie hier ein komplexes Arbeitsfeld. Für die Römisch-Katholische Kirche ist Liebe die erste Frucht des Heiligen Geistes. Die Kirche unterscheidet nach Platon zwischen Agape und Eros (siehe oben). Benedikt XVI. widmete sich in seiner ersten Enzyklika Deus caritas est dem Thema Liebe. Selbst in der negativen Theologie, wie auch in der Mystik wird als einzige Aussage über das Unsagbare in der Regel dennoch die Feststellung Gott ist die Liebe anerkannt; vgl. dazu auch die Natürliche Theologie.

Biologie und Physiologie
Der Begriff „Liebe“ ist in der Biologie nicht definiert und damit keine wissenschaftliche Kategorie. Allgemein ist es schwierig, emotionale Prozesse mit naturwissenschaftlicher Methodik zu bearbeiten, zumal die zugrunde liegende Biochemie noch nicht ausreichend bekannt ist. Gesichert sind beim Menschen lediglich folgende Erkenntnisse:

Neurobiologie der Verliebtheit
Neueren Untersuchungen des Gehirnstroms und Studien zufolge bewirkt Verliebtheit in Bereichen des menschlichen Gehirns, die auch für Triebe zuständig sind, die höchste Aktivität, was darauf schließen lässt, dass das Gefühl, das gemeinhin als „Liebe“ (im Sinne von Verliebtheit) bezeichnet wird, in seinem biochemischen Korrelat einen starken Zusammenhang mit dem biologischen Trieb aufweist. Die mitunter sehr lange anhaltenden Wirkungen der Verliebtheit (Limerenz) deuten aber auch auf neuroendokrine Prozesse hin, die dem Phänomen zugrunde liegen. Das würde sich auch in das Entstehungsfeld einfügen, das in der Sexualität zu suchen ist, die ihrerseits maßgeblich der diencephalen neuroendokrinen Steuerung unterliegt. Dabei spielen nicht zuletzt die endogenen Opiate des Hypophysenzwischenlappens eine Rolle. Verliebt sich ein Mensch, so sorgen verschiedene Botenstoffe für Euphorie (Dopamin), Aufregung (Adrenalin), rauschartige Glücksgefühle und tiefes Wohlbefinden (Endorphin und Cortisol) (umgekehrt können Momente, in denen man nicht mit der geliebten Person zusammen ist, als schmerzhaft empfunden werden) und erhöhte sexuelle Lust (Testosteron sinkt bei Männern, steigt bei Frauen). Auch Sexualduftstoffe (Pheromone) werden vermehrt abgegeben. Hingegen sinkt der Serotoninspiegel stark ab, wodurch der Zustand der Verliebtheit in diesem Punkt eine Ähnlichkeit mit vielen psychischen Krankheiten aufweist. Das trägt dazu bei, dass Verliebte sich zeitweise in einem Zustand der „Unzurechnungsfähigkeit“ befinden können, sich dabei zu irrationalen Handlungen hinreißen lassen und Hemmschwellen abbauen. Nach einiger Zeit (wenige Monate) gewöhnt sich der Körper an diese Dosen, und ganz allmählich (laut WHO maximal nach 24 bis 36 Monaten) beendet das Gehirn diesen sensorischen „Rauschzustand“.

Evolutionsbiologie der Liebe
Das vertiefte Gefühl der Liebe ist aus evolutionsbiologischer Sicht möglicherweise im Zusammenhang mit der Sexualität entstanden, wobei die Liebe es ermöglichte, die erfolgte Partner-Selektion und damit die Paarbeziehung über längere Zeiträume zu stabilisieren. Es sind zwar bei vielen Tierarten monogame Paarbeziehungen bekannt (zum Beispiel auch bei den Graugänsen von Konrad Lorenz), aber ob diese Tiere dabei so etwas wie „Liebe“ empfinden, ist wohl eine aus erkenntnistheoretischen Gründen unbeantwortbare Frage. Im Rahmen des Konzepts der biologischen Determiniertheit entsteht Liebe zwingend aus bestimmten körperlichen Reaktionen. Viele Menschen empfinden diese naturwissenschaftliche Einengung der Liebe auf körperliche Funktionszusammenhänge als unzureichende Beschreibung eines inneren Phänomens bzw. subjektiven Erlebens.

Psychologie und Psychiatrie
Die Psychologie beschäftigt sich mit den zahlreichen Spielarten der Liebe und des Liebesentzuges. Nach Auffassung der Evolutionspsychologen werden Frauen und Männer bei der Partnerwahl von Vorlieben regiert, die sich über Millionen von Jahren von unseren Vorfahren auf uns weitervererbt haben. Diese „Steinzeit-Psyche“ soll Frauen auf starke oder statushohe Beschützer-Typen reagieren lassen; Männer dagegen auf junge, hübsche Frauen. Schönheit gelte bei beiden Geschlechtern offenbar als Indiz für „gesunde Gene“, wie auch Humanethologen bestätigen. In diesem Zusammenhang wurde auch vielfach untersucht, was „Schönheit“ in diesem Zusammenhang bedeutet, welche körperlichen Merkmale für beide Geschlechter als attraktiv gelten („Durchschnittlichkeit“ als Ideal). Die Psychiatrie befasst sich unter dem medizinischen Aspekt mit dem Phänomen. So wird zum Beispiel die Psychopathologie des „Liebeswahns“ im Zusammenhang mit paranoischen Vorstellungen diagnostiziert (vgl. Wahnsinn).
Quelle Auszüge aus Wikipedia & Internetseiten